Wann macht ein Mitgliederbereich für mich Sinn und worauf sollte ich achten?

Der Mitgliederbereich ist mittlerweile eine der beliebtesten Auslieferungsvarianten für den Vertrieb digitaler Produkte über das Internet, denn er hat verschiedene Vorteile für den Kunden und den Anbieter. Wann aber ist die Einrichtung eines Mitgliederbereichs sinnvoll und welche Variante ist die Passende für das eigene Business. Hierauf wollen wir in diesem Beitrag eingehen.

Du bist Coach, Trainer, Berater oder bietest in sonstiger Weise digitale Inhalte wie Online-Kurse, Audiodateien o.ä. an oder möchtest damit beginnen? Nicht erst seit der Corona-Pandemie, aber hierdurch deutlich verstärkt, machen sich viele Selbstständige Gedanken darüber, wie sie ihre offline-Produkte durch online-Produkte ergänzen oder gar ersetzen und in welcher Form sie diese orts- und zeitunabhängig vertreiben können. Ein richtiger Boom findet diesbezüglich gerade im Fitnessbereich statt, seien es Yogalehrer, Tanzschulen, Personal Trainer etc.

Schauen wir uns folgendes Beispiel an:

Yolanda ist Yogalehrerin und hat bisher ihren Yogaunterricht in erster Linie offline in Form von Präsenzkursen angeboten. Das lief gut und die lokal ansässigen Teilnehmer genießen die wohltuende Atmosphäre in Yolandas Kursen. Online mochte Yolanda ihre Kurse bislang nicht anbieten – zu unpersönlich, nicht das Gleiche und nicht so unmittelbar sei das. Durch den Corona-bedingten Lockdown durfte sie dann aber über einen längeren Zeitraum ihre Präsenzkurse nicht mehr anbieten und Teilnehmer begannen, sich von ihren Kursen abzumelden. Um den Kontakt mit den verbliebenen Teilnehmern aufrecht zu erhalten und auch weiter Leistungen anbieten zu können, rang sich Yolanda durch, ihren bisherigen Kurs per Zoom Live-Sessions fortzusetzen. Die anfängliche Scheu vor der Kamera hat sie schnell überwunden und ihre Teilnehmer waren froh, nicht komplett auf den Yogakurs verzichten zu müssen. Nachdem Yolanda ihre Live-Sessions über Social Media-Kanäle und ihre Website bewarb, kamen weitere Teilnehmer dazu, weil die Teilnahme an dem Kurs nun nicht mehr ortsgebunden war. Sogar eine Teilnehmerin aus dem Ausland meldete sich an.

Auf den Geschmack gekommen begann Yolanda, ihre Kurse aufzuzeichnen und ihren Kursteilnehmern dauerhaft zur Verfügung zu stellen, damit diese, auch wenn sie mal zur Live-Session keine Zeit hatten, den Termin nachholen konnten. Diese Zeitunabhängigkeit war ein zweiter großer Vorteil gegenüber den zeitgebundenen Präsenzkursen. So gewann Yolanda weitere Kunden, die bisher aus Zeitgründen an den Präsenzkursen nicht teilnehmen konnten.

Yolanda möchte nun einen ganzen Yogakurs aufnehmen und diesen über das Internet vertreiben. Sie hat davon erfahren, dass sie Videos mit privaten Links einem begrenzten Teilnehmerkreis über Youtube zur Verfügung stellen kann. Die Idee gefällt ihr zunächst, weil sie kostengünstig ist und Yolanda noch nicht weiß, wie erfolgreich sie mit ihrem Online-Angebot sein wird. Schnell merkt sie, dass sie dadurch ziemlich viel administrative Aufgaben hat, die ihr nicht so liegen und vor allem nicht wirklich Spaß machen. E-Mail Anfragen zu den Kursen beantworten, Anmeldungen verwalten, Rechnungen schreiben, Links zu den Videos versenden etc. Zudem hat sie herausgefunden, dass jeder, der den privaten Link hat, Zugriff auf die Inhalte bekommt, es also kein wirklich geschützter Bereich ist. Daher überlegt sie nun, wie sie ihre Zeit für die Administration reduzieren und gleichzeitig  ihre Online-Kurse besser schützen kann.

Und da kommt der Mitgliederbereich ins Spiel. Denn er hat Vorteile sowohl hinsichtlich des Kundennutzens wie auch hinsichtlich der Pflege der Inhalte für den Anbieter. In dem Mitgliederbereich lassen sich verschiedene Inhalte, wie z.B. Videos, Textmaterial, Audiodateien etc. verwalten und in der Regel zu Kursmodulen und Lektionen zusammenstellen. Zugriff auf die Inhalte erhalten nur die Mitglieder, die für den jeweiligen Inhalt freigeschaltet wurden. Es gibt jedoch anbieterabhängig sehr unterschiedliche Ausgestaltungen eines Mitgliederbereichs mit stark variierendem Leistungsumfang. Daher schauen wir uns dies genauer an:

Mitgliederbereich als WP-Plug-in oder komplett eigenständig

Es gibt verschiedene Anbieter von Mitgliederbereichen, die sich zunächst danach unterscheiden, ob der Mitgliederbereich über ein Plug-in in eine WordPress-Webseite integriert ist oder als komplett eigenständiger Bereich unabhängig von der Landing Page ist.

Auf den ersten Blick erscheint hier eine Integration des Mitgliederbereichs in eine möglicherweise schon vorhandene Word-Press-Seite reizvoll. Zu beachten ist dabei aber, dass in der Regel Plugins oder Tools installiert werden müssen und lediglich eine eingeschränkte Individualisierbarkeit möglich ist. Zudem besteht immer eine Abhängigkeit zu einem Drittanbieter wie z.B. WordPress und es sind regelmäßige Updates erforderlich.

Demgegenüber gibt es eigenständige und von Drittanbietern unabhängige Mitgliederbereiche, die ohne zu installierende Plug-ins und Tools auskommen und keine gesonderte WordPress-Seite erfordern. Sie funktionieren sogar komplett ohne eigene Website, weil sie in der Regel über eine eigene URL verfügen und direkt aufgerufen werden können. Zusätzlich kann ein Log-in-Button praktisch von jeder anderen Website auf den Mitgliederbereich verlinken. Der Vorteil dieser eigenständigen Variante ist, dass man sich nicht um Erstinstallation und regelmäßige Updates kümmern muss und zudem in der Wahl seines Website-Anbieters komplett frei ist und auch ohne Website loslegen kann.

Von der manuellen Mitgliederverwaltung zur vollständigen Automatisierung

Die auf dem Markt angebotenen Mitgliederbereiche unterscheiden sich zudem nach dem Grad der Automatisierung. Während einige Anbieter von Mitgliederbereichen das manuelle Anlegen, Freischalten und Deaktivieren der einzelnen Mitglieder erfordern, ermöglichen andere Mitgliederbereich eine vollständige Automatisierung des Vertriebs (Selbstregistrierung der Mitglieder, Buchung der Kurse mit Bestellbestätigung, automatisierte Freischaltung der Inhalte nach erfolgter Zahlung bis hin zur Rechnungstellung etc.).

Hier sollte man sich gut informieren und auch das „Kleingedruckte“ lesen, wie weit das Leistungsspektrum des Anbieters tatsächlich geht. Denn vielen Selbstständigen geht es so, dass sie gern mehr Zeit in ihren Content und weniger Zeit in die Administration ihrer Kunden stecken möchten. Nicht die Administration, sondern der Content bringt die Kunden voran.

Mag es kurzfristig reizvoll sein, einen möglicherweise etwas preisgünstigeren Mitgliederbereich zu buchen, der mehr manuelle Verwaltung erfordert, kehrt sich dies schnell um, wenn man die Zeit und damit verbunden Kosten berücksichtigt, die man selbst oder die Mitarbeiter in die Administration der Mitglieder stecken muss. Vor allem erwarten viele Käufer digitaler Produkte, dass sie sehr schnell nach Zahlung auch Zugang zu den Inhalten erhalten. Demnach muss der Betreiber des Mitgliederbereichs mehrmals täglich und teilweise bis spät abends und an Wochenenden seine Mails checken, um ggf. manuell Käufer für die gebuchten Inhalte freizuschalten, wenn er sich für einen Mitgliederbereich ohne Automatisierung entschieden hat. Mittel- bis langfristig bewährt sich daher für die meisten, etwas mehr in den höheren Automatisierungsgrad zu investieren, dann aber mehr Zeit fürs Wesentliche zu haben.

Reiner Mitgliederbereich vs. nützliche Zusatzfeatures

Einige Anbieter setzen auf einen reinen Mitgliederbereich und bieten für weitere Features Schnittstellen zu anderen Anbietern wie z.B. Mailing, Veranstaltungskalender, Buchungen und Rechnungstellung etc. an. Auch hier sollte sorgfältig abgewogen werden, welches die passende Variante für das eigene Business ist.

Reine Mitgliederbereiche können den Vorteil einer höheren Spezialisierung haben, insbesondere wenn für den Mitgliederbereich ganz spezielle Anforderungen bestehen (z.B. etwaige Zertifizierungsanforderungen etc.). Die wesentlichen Features eines Mitgliederbereichs werden aber auch von den Allroundern oft schon mit abgedeckt.

Ein nicht ganz unwesentlicher Faktor ist auch hier wieder die Zeit. Wähle ich einen reinen Mitgliederbereich, möchte meine Kunden aber auch per Mailing über Neuigkeiten, weitere Angebote etc. informieren, muss ich zusätzlich einen Anbieter für den Newsletterversand suchen. Ermöglicht der Mitgliederbereich selbst keine Buchung meiner digitalen Inhalte, benötige ich auch hier einen weiteren Anbieter, sofern ich die Buchungen nicht komplett selbst verwalten möchte. Um diese Zusatzfeatures dann mit meinem reinen Mitgliederbereich zu verknüpfen, sind entsprechende Schnittstellen erforderlich. Ich bin also wieder von den Drittanbietern abhängig, zu denen Schnittstellen bestehen. Die Schnittstellen müssen entsprechend implementiert werden, was teilweise vertiefte IT-Kenntnisse erfordert und diese müssen wiederum aktuell gehalten werden. Außerdem muss ich mich in die Schnittstelle des jeweiligen Anbieters einarbeiten und nach den Vorgaben der DSGVO auch noch mit jedem Anbieter eine Vereinbarung zur Datenverarbeitung im Auftrag (sog. AV) abschließen. Das bedeutet, ich muss mich auch bei jedem Anbieter vergewissern, wo dieser die Daten verarbeitet und dass dies DSGVO-konform erfolgt.

Bestehen also nicht ganz spezielle Anforderungen für den jeweiligen Dienst, die über das übliche Maß hinausgehen, dürfte ein Mitgliederbereich mit entsprechenden Zusatzfunktionen wie Mailing, Buchung etc. das Mittel der Wahl sein, da kein Zusatzaufwand für die Schnittstellenimplementierung, die Einarbeitung in verschiedene Nutzeroberflächen und der Abschluss mehrerer AV entsteht. Über ein einziges Tool kann dann das ganze oder ein zumindest ein ganz wesentlicher Teil des Online-Vertriebs abgewickelt werden.

Eigene App als Alleinstellungsmerkmal

Ganz besonders attraktiv wird der Mitgliederbereich ab einer bestimmten Größenordnung, wenn er über eine eigene App abgebildet wird. Die Nutzer müssen sich dann zum Abrufen der Inhalte nicht immer neu auf einer Website einloggen, sondern einfach nur ihre App aufrufen. Unter Marketinggesichtspunkten ist das sogar doppelt interessant, weil der Kunde das Logo quasi immer auf seinem Handy-Bildschirm angezeigt bekommt. Zudem können die App-User per Push-Nachricht direkt informiert werden (die Öffnungsrate von Push-Nachrichten übersteigt die von Newslettern in den heutigen Zeiten der E-Mail-Flut um Längen). Besonders anwenderfreundlich sind dabei native Apps, da sie deutlich schneller arbeiten als bloße Web-Apps (das sind quasi Webseiten im Look einer App) und z.B. auch Videos selbst bei geringerer Bandbreite noch flüssig abspielen.

Die unterschiedlichen Tarifmodelle

Gerade bei der Wahl des Tarifs ist nun wieder genau nach dem eigenen Bedarf zu schauen. Viele Mitgliederbereiche unterscheiden bei den Tarifen nach der Anzahl der Mitglieder, der Anzahl der angebotenen Produkte/Online-Kurse und/oder dem Datenvolumen.

Mehrere Anbieter haben einen sehr niedrigschwelligen Einstiegspreis, der dann aber oftmals nur die Bereitstellung eines einzigen Produkts/Online-Kurses zulässt und deshalb nur in der Anfangsphase zur Anwendung kommt. Bereits mit dem zweiten Produkt gerät man dann in die oft schon deutlich teurere nächste Tarifstufe, die aber nicht selten ebenfalls nur eine begrenzte Zahl an Produkten/Online-Kursen zulässt. Auch die Anzahl der Administratoren, die für den Betreiber Produkte anlegen und die Mitglieder verwalten können, ist teilweise begrenzt. Daher sollte hier von vornherein realistisch abgeschätzt werden, wie viele Online-Produkte man perspektivisch bereitstellen möchte und ob man überhaupt Begrenzungen in der Anzahl akzeptieren möchte. Zudem ist zu berücksichtigen, ob die Inhalte nur durch eine Person gepflegt werden oder ob auch Dritte, z.B. die eigenen Mitarbeiter, einen Zugang erhalten sollen. Andere Tarife sind dagegen stärker an das genutzte Datenvolumen gekoppelt, das heißt, ein bestimmtes Datenvolumen ist in dem Tarif enthalten und bei einer Überschreitung zahl man für das zusätzlich aufgewendete Datenvolumen. Da dies – unabhängig von der Anzahl der angebotenen Produkte – das tatsächliche Nutzungsvolumen abbildet, ist dies eine nachvollziehbare Größe. Zudem lässt sich das Datenvolumen durch einfache Techniken begrenzen, indem man z.B. Videos mit entsprechenden Tools komprimiert, was häufig auch zu einer besseren Abrufbarkeit für den Nutzer führt.

Gerade bei Tools, die eine automatisierte Buchung und Freischaltung ermöglichen, ist noch zu prüfen, ob hierfür zusätzlich Gebühren je Transaktion anfallen. Nicht selten sind diese dann umsatzbezogen. Einige Anbieter erheben hier sogar 5% bis 8% vom Bruttoverkaufsbetrag zuzüglich eines Fixbetrags je verkauftem Produkt. Hier lohnt sich ein Vergleich mit den Kosten bei Anbietern, die keine gesonderten Transaktionsgebühren je verkauftem Produkt erheben.

Nun zurück zu unserem Beispiel:

Yolanda hat sich schlau gemacht und über die verschiedenen Mitgliederbereiche informiert. Da sie gern unabhängig von Drittanbietern ist und möglichst wenig administrativen Aufwand mit ihrem Digitalvertrieb haben möchte, hat sie sich für einen eigenständigen Mitgliederbereich entschieden, der auch einen automatisierten Abverkauf ihrer Online-Kurse beinhaltet. Da sie ihre Kursteilnehmer regelmäßig per Newsletter über Neuigkeiten und weitere Angebote informieren möchte, hat sich einen Anbieter gewählt, der neben dem Mitgliederbereich auch eine Mailingfunktion beinhaltet. So musste sie sich nicht in zwei unterschiedliche Nutzeroberflächen einarbeiten und auch keine Schnittstellen implementieren. Neu entdeckt hat sie für sich das Bloggen rund um das Thema Yoga, denn ihr Mitgliederbereich beinhaltet auch eine Blogfunktion, mit dem sie auch Nichtmitglieder auf sich und ihr Angebot aufmerksam macht. Yolanda hat durch ihre Online-Präsenz mittlerweile Teilnehmer nicht nur aus ganz Deutschland, sondern auch aus dem Ausland, die zeit- und ortsunabhängig ihr Angebot wahrnehmen können. Diese neue Online-Community bereichert und ergänzt die weiter stattfindenden Präsenzveranstaltungen von Yolanda optimal. Die App hat Yolanda noch nicht dazu gebucht, möchte dies aber machen, sobald sie die Anzahl von 100 Mitgliedern überschritten hat.

Mehr Infos zum Mitgliederbereich von HelloFomo findest Du unter: www.hellofomo.de

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